Vorstellungsgespräche – Echtheit statt Krampf

Vorstellungsgespräche – oft ist krampfhafte Schauspielerei an der Tagesordnung. Denn Stelleninteressierte möchten sich gern ins rechte Licht setzen. Im Auftrag von Firmen sucht Personalberater Dirk Kremer passende Stelleninteressenten für unterschiedlichste Positionen. Er verrät, was ihn überzeugt. ( Bild: © mizinra / Fotolia )

Auf einen Blick:

  • Echtheit toppt Schauspielerei und Showeffekte
  • Die Kleidung muss angemessen sein und zur Person passen („Wohlfühlfaktor“)
  • Lügen haben oft kurze Beine
  • Es ist gut, ehrlich zu Fehlern zu stehen
  • Ein Vorstellungsgespräch beruht immer auf Basis der Gegenseitigkeit

Mit einem dicken Mietwagen vorfahren, einen teuren, nagelneuen Anzug auf dem Leib und Prahlerei, was die eigenen Kompetenzen anbetrifft: Dirk Kremer kennt die Strategien von Bewerbern, sich selbst ins beste Licht zu setzen. Doch für den Personalberater zählt Echtheit mehr als durchschaubare Selbstdarstellungs-Taktiken. Denn Schauspielerei können die meisten Bewerber nur für eine bestimmte Zeit aufrechterhalten. Abgesehen davon, zählt die Qualifikation.

 Wenn der Anzug klemmt und das Kostümchen scheuert

 Ist jemand „verkleidet“ und trägt Sachen, in denen er sich nicht wohl fühlt, ist das an der Körpersprache zu merken. Kremer: „Aus der schriftlichen Bewerbung geht oft schon hervor, was für ein Typ mein Gegenüber ist. Ich achte darauf, ob alle Signale stimmig sind.“ Die Kleidung müsse in Hinsicht auf die Vorstellungssituation sowie den angestrebten Beruf angemessen sein und zur Person passen. Kremer: „Ingenieure und Techniker kommen oft in Jeans und Hemd, Jackett und ohne Krawatte. Das ist absolut passend – ein Maßanzug würde merkwürdig wirken.“ Er empfiehlt ein Outfit, in dem sich der Bewerber wohl fühlt.

Ehrlichkeit beim Kündigungsgrund toppt Ausflüchte

Spannend wird es bei unangenehmen Fragen wie die nach einem Kündigungsgrund. Wer hier lügt, verspielt Chancen. Kremer: „Im Zeugnis steht der Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses oft zwischen den Zeilen. Ein, zwei Nachfragen und schon bestätigt sich das Gefühl, da etwas nicht ganz passt.“ So sei ab und zu der Fall aufgetreten. dass die Chemie mit dem alten Chef nicht gestimmt habe oder ein gravierender Fehler unterlaufen sei. Wer so etwas einräume, wirke auf ihn sympathisch und überzeugend. „Er steht für seine Fehler gerade. Das ist eine sehr gute Eigenschaft und wirkt Vertrauen erweckend.“

Vorstellungsgespräche – ein paar „Spielchen“ gehören dazu

Er fügt hinzu, Menschen, die die Wahrheit sagten, seien im Gespräch oft viel entspannter als solche, die ein Lügengebäude aufrechterhalten wollten. Letztgenannte „müssen sich so stark darauf konzentrieren, was sie sagen, dass sie verkrampfen.“ Manchmal suchen Firmen einen Bewerber, der bestimmte persönliche Eigenschaften hat. Kremer nennt etwa einen durchweg korrekten Bank- oder Versicherungsangestellten. „Ich teste manchmal, ob die Stelleninteressenten in ihrer Rolle bleiben, indem ich mich selbst plötzlich sehr locker gebe. Auch wenn ich meine Krawatte ablege, sollte der andere seine dort lassen, wo sie ist.“

 Vorstellungsgespräche – nur entspannte Bewerber/innen öffnen sich

Generell aber lehnt der Personalspezialist „Spielchen“ und zu starken, künstlich erzeugten Druck im Vorstellungsgespräch ab. „Ich wünsche mir, dass sich mein Gegenüber öffnet. Dass tut er nur in entspannter Atmosphäre.“ Kremer betont, auch wenn im Gespräch herauskomme, dass der Bewerber nicht zur Stelle passe, sei dies immer noch besser, als eine Fehlbesetzung. „Wer nach drei Monaten wieder auf der Straße steht, hat mehr Ärger als jemand, der auch von sich aus prüft, ob er überhaupt in dem Unternehmen arbeiten möchte. Ein Vorstellungsgespräch bedeutet immer ein gegenseitiges Kennenlernen.“ (Birgit Lutzer)

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